Christian Loidl 1957-2001

Nachruf der IG AutorInnen

Christian Loidl (Edition Selene)

Hinweis Nachruf IG Autoren
Hinweis Nachruf Manfred Chobot

Texte
Hinweis einer kennt alles beim namen...
Hinweis Ein junger Tiger spielt
Hinweis Wo sich die Juden den Vergaser richten lassen

Christian Loidl, der bedingungslose Verfechter der Poesie, ist am Sonntag, den 16.12.2001, aus einem Fenster seiner Wiener Wohnung gestürzt und hat diesen Sturz nicht überlebt.

Wer Christian Loidl zum Freund gehabt hat, hätte keinen besseren Freund haben können. Wer Christian Loidl als Vortragenden erlebt hat, hat einen Weltreisenden in Sachen Lyrik erlebt, der genauso über die Dichtung in Südamerika wie in den Staaten Osteuropas Bescheid wußte, der ebenso in der englischsprachigen wie in der deutschsprachigen Dichtung zuhause war, und unter dessen Händen nahezu alles zur Dichtung wurde. Durch nichts könnte sein Leben mit der Lyrik und für die Lyrik besser beschrieben werden als in seiner lyrischen Hommage an H. C. Artmann, die in wenigen Tagen der Öffentlichkeit vorgestellt werden sollte, und die in dem Verlag erschienen ist, mit dessen Autoren ihn langjährige Freundschaften verbunden haben und der seine menschliche Heimat war, der Wiener "edition selene".

Wer Christian Loidl zum Kollegen gehabt hat, hätte keinen besseren Kollegen haben können, stets integer und immer auf der Seite der Literatur und seiner Kollegen zu finden, wenn es um die Auseinandersetzung und die Konfliktaustragung mit Kulturverwaltungen und politischen Kulturverantwortlichen zur Verbesserung der literarischen Arbeitsumstände und der Lebensverhältnisse von Schriftstellern ging.

Irgendeinen Dank für sein Engagement hat Christian Loidl nie erwartet und wohl auch nicht die Aufmerksamkeit für seine Arbeit, die ihm gebührt hätte, zu sehr war ihm seine Rolle des Dichters als Außenseiter in der österreichischen Gesellschaft bewußt.

Mit Christian Loidl untrennbar verbunden sind seine Zaubersprüche und Beschwörungsformeln, sein nie vorhersehbarer Schluckauf; und unverkennbar war bei seinen Auftritten, daß Handlungen eine Folge der Laute und Sprache sind, denen er sich als Autor genauso ausgesetzt hat, wie sein Publikum von ihm damit konfrontiert worden ist.

Wir trauern um unseren Freund, Kollegen und den Dichter und literarischen Übersetzer, Christian Loidl, dem wir so vieles mehr zu verdanken haben, als es je zum Ausdruck kommen wird, und der, so spektakulär er in seinen Auftritten auch war, in seiner Wahrnehmung immer mit Zurückhaltung behandelt worden ist.

Christian Loidl hat nicht bloß gedichtet, er hat das Leben eines Dichters geführt und uns mitten in seinem Leben und mitten in seiner Arbeit verlassen.

Wir trauern um ihn und mit allen seinen Angehörigen und mit allen Mitarbeitern und Kollegen seiner früheren Verlage, "edition umbruch" und "sisyphus", und seines seit vielen Jahren einzigen Verlags, der "edition selene".

Gerhard Ruiss IG Autorinnen Autoren Wien, 17.12.2001