VEREIN FARNBLÜTE => 12.12.2021, 19:30, Off-Theater (1070 Wien, Kirchengasse 41)

 

WEISS

VON JETZT BIS JETZT

Tanzperformance für Christian Loidl zu seinem 20. Todestag

 

 

Am Laut hängt die Landschaft: Nadelholzduft im Sommer, Krähengeschrei, Geruch nach Holzrauch; Uferweiden und Steine, das Brausen von Bach und Fluß ein Abenteuer, das ununterbrochen anfängt.“

Christian Loidl in weiße rede

 

Im visuellen Gedicht weiße rede des österreichischen Lyrik-Zauberers und Performance-Wilden Christian Loidl (1957 - 2001) ist der Raum – die weiße Seite – dem Zeitablauf übergeordnet. Weiß bedeutet hier nicht nur Sprech- oder Denkpause, sondern auch einen Raum der Gleichzeitigkeit von Ereignissen – Ereignissen, die in der hohen Kunst des japanischen Haiku quasi in einem Punkt zusammenfallen.
 
In diesem aufwändigen, dem Gedenkjahr der 20. Wiederkehr von des Dichters Todestag angemessenen, Projekt sind es die weißen Wände, der weiße Boden des Off-Theaters, die die raum-zeitliche Projektionsfläche für Loidls Lyrik bilden. Wie in vielen seiner eigenen Performances treten die Gedichte in einen Dialog mit aus dem Moment geborener Musik, werden nun aber erstmals auch "verkörpert": Der Tanz als weiterer Dialog- und Ausdruckspartner des Wortes, in dem Sinn, in dem Loidl das Gedicht als Körper auf dem Hintergrund der weißen Seite sah. Der gleichzeitig gesprochene Text verwandelt in gewisser Weise seine Vorlage: Er löst sich vom Geschriebenen, tritt in einen Austausch, ermöglicht eine Verschränkung, einen Wechsel: eine Gleichzeitigkeit von Körper, Klang und Sprache.
 

Die ausgewählten Texte stammen aus dem Lyrikband "weiße rede" und der Haiku-Sammlung "nachtanhaltspunkte": Momentaufnahmen, Fragmente, Splitter, gültig für einen Augenblick, schon wieder verschwunden. Die Lyrik dient weder der Illustration noch der Verdoppelung. Vielmehr geht es um eine leichte Verschiebung der Zeichen, sodass zwischen den gewohnten Denkmustern ein Zwischenraum entsteht, den der Zen als Satori bezeichnet.

 

Die Tänzerin Toshiko Oka, der Maler und Musiker Wolfgang Seierl, die Schauspielerin und Stimmperformerin Gina Mattiello bespielen den Raum in dieser Gleichzeitigkeit von Ereignissen. Darin werden die Worte von Christian Loidl zu Musik, zu Körper, zu Bewegung. Die Zeichen treten zurück und verschwinden immer wieder in einem Raum der Stille.

 

Mitwirkende: Toshiko Oka (Konzeption, Tanzperformance, Choreographie), Gina Mattiello (Konzeption, Stimme), Wolfgang Seierl (Konzeption, Musik), Jaan Karl Klasmann (Organisation, Durchführung); Kamera und Schnitt: Charly Eybl (angefragt)

 

Wir danken unseren Förderern: Bezirk Neubau, Stadt Wien und BMKOES: